Das persönliche Wachstumsfeld

Arbeit mit dem je persönlichen Wachstumsfeld des Seelsorgers/ der Seelsorgerin

 

Elisabeth Mack ist Gemeindereferentin in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Alexander Ruf ist Pestoralreferent in der Krankenhausseesorge und Citypastoral Karlsruhe.

 

Bei unserer täglichen Arbeit in den Kirchengemeinden sehen wir oft nur die Defizite, das, was nicht mehr ist. Wir versuchen, die Lücken zu füllen und verwenden all unsere Kräfte, den Betrieb am Laufen zu halten.
Die Beschäftigung mit dem persönlichen Wachstumsfeld hat mir einen neuen Blick auf meine Arbeit beschert. Es hilft mir, immer wieder neu und aufmerksam auf meine pastorale Landschaft zu schauen: Wo wächst etwas, das es zu pflegen gilt? Wo keimt etwas auf – auch ganz unerwartet?
Meine Aufgabe ist es, dieses Wachstumsfeld zu entdecken, zu säen, zu düngen und zu pflegen. Das Wachstum selbst aber geschieht, es ist nicht machbar, es ist Geschenk. Gott ist es, der wachsen lässt. Darauf vertraue ich.                                                                               Elisabeth Mack

In der Werbung gilt die Regel: „Wer alle erreichen will, erreicht am Ende niemand.“ Daher ist für ein erfolgreiches Marketing der erste Schritt die klare Definition der Zielgruppe. Ähnlich ist es in der PASTORAL AM PULS beim Führen einer Schriftrolle. Wer alle pastoralen Bereiche gleichzeitig im Blick haben möchte, wird aufgrund der Weite seines Blickfeldes nicht erkennen, was sich im Detail entwickelt und wo im Kleinen etwas zu wachsen beginnt. Es ist daher ratsam, am Beginn des Schreibens einer PASTORALEN SCHRIFTROLLE zu überlegen, welchen Arbeitsbereich man genauer betrachten möchte. Die PASTORAL AM PULS nennt einen solchen eingegrenzten Bereich „Wachstumsfeld“. Dieser Begriff ist ganz bewusst gewählt und biblisch begründet.

So schreibt Paulus in 1 Kor 3,6-9 an die Gemeinde in Korinth: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen. So ist weder der etwas, der pflanzt, noch der, der begießt, sondern nur Gott, der wachsen lässt. Wer pflanzt und wer begießt: Beide sind eins, jeder aber erhält seinen eigenen Lohn entsprechend seiner Mühe. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld, Gottes Bau.“

Vom Ackerfeld und vom Wachstum handelt auch das Gleichnis Jesu vom Sämann in Mt 13,1-9. Der Sämann streut Samenkörner aus, die auf den Weg, auf felsigen Boden, unter die Dornen und auf fruchtbaren Boden fallen. Nur auf dem guten Boden können die Körner aufgehen, wachsen und Frucht bringen.

Beide Texte zeigen: Nur dort, wo Gott und Mensch gemeinsam wirken, ist Wachstum möglich. Es braucht die Bereitschaft des Menschen, auf Gottes Wort und Willen zu hören und es braucht das Wirken Gottes, damit etwas wachsen, gedeihen und aufblühen kann. Beim Schreiben einer Schriftrolle wird das Zusammenwirken von Gott und Mensch in den Blick genommen. Dabei gilt es, folgenden Zusammenhang zu verinnerlichen: Wachstum ist ein Kennzeichen des Lebens. Wo der Gott des Lebens wirkt, da wächst Leben. Die PASTORAL AM PULS versteht sich als Wachstumspastoral, weil sie ganz auf den Gott des Lebens baut. Wir entscheiden uns daher dort zu arbeiten, wo sich Wachstum zeigt. Dort stecken wir unser Wachstumsfeld ab.

Die Wahl des Wachstumsfeldes in drei Schritten:

1. Ich entdecke mein inneres Wachstumsfeld

Ich kann nur weitergeben, was ich in mir trage. Ich kann nur Samen ausstreuen, den ich im Herzen habe und Wachstum fördern mit dem, was in mir wächst und lebendig ist. Daher gilt es im ersten Schritt der Suche nach dem Wachstumsfeld folgende Fragen zu meditieren:

  • Für was schlägt mein Herz?
  • Bei welchen Tätigkeiten kann ich meine persönliche Berufung am meisten verwirklichen?
  • Was sind meine (pastoralen) Stärken und Charismen?
  • Was sind meine Ideen, Sehnsüchte, Visionen für die Pastoral?

2. Ich schaue auf die Wachstumsfelder meiner pastoralen Arbeit

  • Welche pastoralen Arbeitsfelder sind besonders lebendig?
  • Ich schau mit den liebenden Augen Gottes auf die Menschen, für die ich da bin: Wo sehe ich bei einzelnen, dass etwas wächst? Was ist am Wachsen?
  • Ich schaue mit den liebenden Augen Gottes auf die Gemeinde/ die Einrichtung, für die ich verantwortlich bin: Wo wächst das stärkste Leben? Worin besteht dieses Leben?

3. Ich wähle mein Wachstumsfeld aus

Folgende Kriterien dienen zur Entscheidungsfindung:

  • Es soll ein Bereich sein, in dem sich mein inneres Wachstumsfeld (siehe oben), und das meiner pastoralen Arbeit (siehe oben), überschneiden: Wo lebt etwas, das auch mich lebendig macht?
  • Der Gedanke an das Wachstumsfeld übt keinen Druck aus, sondern motiviert mich, in diese Richtung etwas zu tun.
  • Es soll ein klar umschreibbarer Bereich sein, z.B. Ministrantenarbeit, Bildung eines Familienkreises … .
  • Das Wachstumsfeld soll nicht zu groß sein, sondern überschaubar.
  • Das Wachstumsfeld soll auch nicht zu klein und begrenzt sein (z.B. ein Bereich, in dem sich nur alle drei Wochen, was tut).
  • Ich sehe Bündnispartner, die mein Wachstumsfeld unterstützen können.
  • Das Wachstumsfeld ist ein bewegendes Rad, kein Ersatzrad (kein Hobby; keine Flucht vor dem Eigentlichen).
  • Das Wachstumsfeld ist kein Projekt, das schon in absehbarer Zeit endet, sondern etwas, an dem ich längere Zeit dranbleiben kann.
  • Das Wachstumsfeld ist etwas, das in die Zukunft führt und Kreise zieht.
  • Das Wachstumsfeld umfasst einen Bereich, der in die Mitte des Glaubens führt, einen Zentralwert verwirklicht.

Die Fragen im dritten Schritt können auch zur Überprüfung des Wachstumsfeldes herangezogen werden. Wenn nach einer gewissen Zeit die Kriterien nicht mehr erfüllt sind, sollte das Wachstumsfeld abgeschlossen und ein neues in den Blick genommen werden. Ansonsten macht es auch Sinn, sich einen Zeitraum zu setzen, wie lang man einen bestimmten Bereich als Wachstumsfeld im Blick haben möchte.

 


Foto: pixabay.com

 

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