Gott nimmt das „Klima wandeln“ selbst in die Hand

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Eine Zwischenbilanz zur Coronakrise

Da haben wir doch gedacht: Die Jahresparole, die in der Schönstatt-Bewegung für 2019/2020 formuliert wurde, passt in die Zeit, ist im besten Sinn modern: „Der Geist Gottes wohnt in eurer Mitte – Klima wandeln“. Wir haben uns bei Predigten, Besinnungstagen und Gruppentreffen Gedanken gemacht, was wir für den Wandel des Klimas tun können. Es ging uns nicht nur ums tatsächliche Klima, um Erderwärmung und CO-2 Ausstoß. Wir haben als besondere Aufgabe gesehen, das seelische Klima zu ändern, hier für einen Wandel zu sorgen: Statt dem Gegeneinander der Menschen und Gruppen das Miteinander pflegen; gegen die Töne des Hasses speziell in den sozialen Medien Verstehen und Rücksichtnahme fördern; der Kultur des Todes und der Gewalt eine Kultur der Liebe entgegenstellen.

Und dann kommt das Coronavirus. Zunächst weit weg – in China. Und dann bei uns in Europa, zuerst in Italien, dann in Österreich und jetzt bei uns in Deutschland, in Spanien, in Frankreich… Auf einmal merkt jeder: Mich könnte es auch treffen.

Fragen bedrängen uns

Wir suchen eine Antwort auf das Geschehen dieser Monate, möchten einen Sinn entdecken. Kann uns der Glaube weiterhelfen, der Blick auf Gott? Hat Gott die Welt vergessen? Hat er sie sich selbst überlassen? Müssen wir jetzt tatsächlich in der Gottesfinsternis leben, von der so manche schon früher gesprochen haben?

Wir sprechen unter glücklichen Umständen gern davon: Gott hat einen Plan mit der Welt, einen Weisheits- und Liebesplan. Gilt das jetzt noch? Wir kennen das Wort: „Gott führt durch Leid zum Heil.“ Wir haben oft den heiligen Paulus zitiert: „Denen, die Gott lieben, gereichen alle Dinge zum Besten.“ (Röm 8,28) Kann Gott, will er diese Krise benützen, um Gutes zu schaffen?

Versuche einer Deutung

Er sagt uns: Schön, dass ihr euch mit eurer Jahresparole bemüht, das Klima zu wandeln. Manches habt ihr getan. Jetzt aber benütze ich die Coronakrise, um im Großen das Klima zu wandeln, um eine veränderte Welt zu schaffen!

Was könnte Gott jetzt aus unserer Welt machen wollen?

  • Zu mehr Solidarität hinführen. Die kleinen Zeichen des neuen Miteinanders – füreinander einkaufen, dankbar für die Dienste anderer ein, in der Familie Zeit füreinander haben – möchte Gott stärken. Das Miteinander der Völker, bisher freilich kaum sichtbar geworden, soll wachsen.
  • Der Kultur des Hasses, des Niedermachens eine Kultur der Liebe entgegensetzen. Nicht Ellbogenmentalität, nicht Gewaltausübung, sondern Rücksichtnahme und Sorge für die Schwächeren neu entdecken.
  • Das Unwesentliche sollte seine bisherige Bedeutung verlieren und das Wesentliche mehr in die Mitte kommen: In der Spaßgesellschaft könnte ein neuer Ernst durchbrechen. Statt dem einseitigen Streben nach materiellem Vorteil, nach dem „Haben“ könnte das Verstehen, die Empathie , das „Sein“ eine wichtigere Rolle spielen.
  • In der egozentrischen Welt im Kleinen wie im Großen könnte ein neues Verantwortungsbewusstsein um sich greifen. Das betrifft die Stellung zur Natur als Schöpfung Gottes mit der Sorge um die Klimaerwärmung, den sorglosen Umgang mit Plastik und Müll, den rechten Einstellung zur Tierwelt. Eine neue Einfachheit ist gefragt.
  • Diese Krise lässt uns spüren, dass wir nicht alles „machen“ können, dass wir endlich und beschränkt sind, abhängige Geschöpfe und nicht unumschränkte Herrscher über alles. Zu einer neuen Demut will Gott uns hinführen.
  • Schließlich, und vor allem, will Gott den Blick der Menschheit nach oben lenken – hin zu ihm, dem Schöpfer, der uns so viel anvertraut und uns mit dieser herrlichen Erde beschenkt hat; hin zum Gott der Liebe, der es gut mit uns meint und uns aufträgt, diese Liebe weiter zu schenken.

Ob Gott auch der Kirche etwas sagen will?

  • Wir müssen jetzt so lange auf die Eucharistie verzichten. Wir feiern über Radio und Fernsehen Gottesdienste mit, bekommen diesen und jenen spirituellen Impuls übers Internet und die sozialen Kommunikationsmedien. Dabei spüren wir aber umso mehr, was uns fehlt – die lebendige, sakramentale Begegnung mit Jesus. Ob am Ende dieser Durststrecke eine größere Sehnsucht nach der Eucharistie stehen soll? Ob in uns das Verständnis für dieses Geheimnis des Glaubens gestärkt werden soll? Ob da einiges wachsen könnte im Blick auf die Mitfeier der heiligen Messe, das persönliche Gebet nach der Kommunion, die Anbetung? Das könnte eine besondere Aufgabe für die zelebrierenden Priester und die Prediger sein.
  • Ein Zweites sei nur kurz angedeutet: Die Sorge für den Glauben. Wir meinen allzu oft, mit Strukturveränderungen könnten wir die Kirche retten, bei entsprechender Planung würde der Glaube wachsen. Vielleicht will der Herr sagen: Verkündet zu allererst den Glauben, bezeugt ihn mit Kraft, lebt aus ihm.
  • Ein drittes: Vertraut, dass es jedem um den Glauben geht. Beendet die Flügelkämpfe, hört aufeinander und versucht zu verstehen, was der andere im Tiefsten meint.

Sigbert Baumann

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